Der unerträgliche Standpunkt

Heinz Kobald

  
 
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Papst will Jesu Worte korrigieren
Papst will Jesu Worte korrigierenPapst will Worte Jesu korrigieren

Chefredakteur und Theologe erheben den Vorwurf,
der Papst wolle die Worte Jesu korrigieren


Gut, zu wissen, wie sie dort oben in Münster denken.
Das dürfen wir dann gedruckt in der Münchner Kirchenzeitung lesen!
Müssen wir in München und Bayern jetzt auch so denken?
Zu Beginn wird erkennbar, in welcher Geisteshaltung der Journalist und der Theologe sich die Bälle zuwerfen. Ein theologischer Journalismus dieser Art steht der Münchner Kirchenzeitung nicht gut.

"MK: Herr Professor Söding, darf man Jesus korrigieren?
Söding: Wenn man es kann ... Aber wer soll das können?
Wer will Jesus schulmeistern? Der Papst sicher nicht.«
( 1 )

Die Frage ist falsch gestellt und provoziert.
Herr Nolte verkennt, hier ist eine Korrektur wegen der irreführenden Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache erforderlich.
Diese Bitte in der jetzigen Form verunsichert die Gläubigen seit langer Zeit.
Herr Söding scheint diese Frage erwartet zu haben, um gleich zu Beginn des abgesprochenen Bälle-Zuwerfens auf den Papst zu zielen.
In dem zahlreich veröffentlichten Interview des Papstes spricht Papst Franziskus von der "falschen Übersetzung" in die Deutsche Sprache.

Hat Papst Franziskus mit einem einzigen Wort auch nur angedeutet,
er würde die Worte Jesu korrigieren wollen?

Aus welcher Sinneshaltung heraus antwortet ein Professor und Doktor der Theologie auf die provozierende Frage von Herrn Nolte mit dieser Unterstellung? Diese Worte sind für einen Wissenschaftler und besonders für einen Theologen keine adäquate Sprache für seinen Vortrag

»Söding: Wichtig ist, Jesus zu interpretieren, sodass er heute verstanden werden kann.« ( 1 )

Annehmbarer ist der Gedanke von Herrn Söding, Jesus muß h e u t e mit seinen Worten in jeder Sprache mit dem richtigen Sinn verstanden werden, ohne theologische und sprach-wissenschaftliche Mehr-Deutigkeit.

»Söding: ... was er zu seiner Zeit gesagt hat und was die Evangelien von ihm überliefert haben.« ( 1 )

Geht Herr Söding wirklich bis zu den Worten zurück, die Jesus gesagt haben könnte – denn er selbst gibt für diese Worte keine Gewissheit. Er lässt das Aramäische, die Sprache Jesu, unbeachtet und verweist nur auf das Griechische.

»Söding: Das ist viel reicher als das, was viele Verteidiger und Kritiker daraus gemacht haben.« ( 1 )

Diese Worte sind ein dialektischer Seitenhieb – der auch den Papst treffen soll - und keine der Sache dienende Feststellung. Sind sie ein Anzeichen für die Sinneshaltung von Herrn Söding bei seiner Suche nach den richtigen Worten im Zentralen Gebet der Christenheit? Den Reichtum des Glaubens scheint auch Herr Söding als Theologe nicht zu ermessen. Vielmehr beschränkt er ihn auf in die Irre führende Worte.
Warum verursachen gerade diese Worte im Deutschen Vaterunser – und in denen, die davon abgeschrieben worden sind – diese Verwirrung im Verstehen dieser Bitte? Diese Frage stellt sich Herr Söding nicht! Warum nicht? Aber Herr Söding ist der Ansicht, er muß mit dem gesamten Reichtum der Kirche gegen die Kritiker zu Felde ziehen. Dabei übersieht er, er selbst ist zum Kritiker am Papst geworden, der den Reichtum des Glaubens nicht in Frage stellt.

»MK: Warum sollte Gott uns in Versuchung führen?
Söding: Wer sagt, dass er das macht? Das Neue Testament sagt es nicht. Das Vaterunser schon gar nicht.«
( 1 )

Diese Frage ist aus einer vorgefassten Einstellung heraus gestellt und fragt nicht nach der verursachenden Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache. Sie fällt unter den Begriff der Neuro-Linguistischen-Programmierung, sie will keine Argumente vorbringen, sondern nur von der eigenen Meinung überzeugen.
Wenn ich beim Abschluss eines Handels den Partner auffordere, er soll mich nicht betrügen, dann habe ich von ihm die Vorstellung, er ist ein Betrüger.
Darum stellt Herr Nolte seine Frage so unbedacht, weil er über die Folgen aus der Bedeutung in den Worten der Bitte nicht nachdenkt.
Warum sollte Gott verführen? Diese Frage von Herrn Nolte ist vollkommen aus dem Raum des Glaubens hinausgefallen. Gott verführt nicht, Gott versucht nicht. Gott prüft, aber das ist etwas ganz anderes.
Aus einer falschen Übersetzung eine Glaubens-Wahrheit zu konstruieren ist vermessen.
Die Antwort des Professors kann ich nur unter Spott gegen den Papst einordnen. Kein ernst zu nehmender Theologe würde auf diese Provokation von Herrn Nolte mit diesen unsachlichen Worten antworten.

»MK: Hat der Papst Recht - ist unsere Ubersetzung nicht gut?
Söding: Die Übersetzung ist wörtlich. ( ... )
Die deutsche Übersetzung ist aufrüttelnd, wie das Gebet selbst.«
( 1 )

Die Übersetzung dieser Bitte ist wohl aufrüttelnd, weil sie mit den Worten dieser so formulierten Bitte aus Gott einen Verführer macht. Das sollte in der Absicht von Jesus gelegen haben, seinen Vater als Verführer den Menschen zu offenbaren? Die Absicht von Herrn Söding ist deutlich erkennbar. Er attestiert dem Papst ein Nicht-Verstehen. Wer hier die Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache nicht zu verstehen scheint, das denke ich, ist der Professor. Das ist allerdings aufrüttelnd.

Was sagt Wolfgang Nies aus Bissen in Luxemburg in den SZ Leserbriefen zur "wörtlichen Übersetzung".

»Mitnichten wird in den Evangelien Lukas (11,4) und Matthäus (Mt. 6,13)
Jesus mit der Bitte im Vaterunser zitiert: „Und führe uns nicht in Versuchung“.
Diese Bitte ist eindeutig falsch übersetzt,
vermutlich, weil sie der Altmeister der Bibelübersetzung, Martin Luther,
so aus dem Griechischen ins Deutsche übertrug:
"Und führe (sic) uns nicht in Versuchung".
Der griechische Text "kai me eisenegkes emas eis peirasmon"
lautet jedoch Wort für Wort übersetzt:
"Du nicht hineinführst uns in Versuchung".«
( 2 )

Dieser wörtlichen Übersetzung folgend formulieren diese Worte keineswegs eine Bitte, sondern eine bestätigende Feststellung. Daraus hätte eine Anrufung Gott-Vaters so lauten können "Du führst uns nicht in Versuchung!"
Stattdessen wurde daraus diese unverständliche Bitte "und führe uns nicht in Versuchung" mit einem völlig veränderten Sinn.

»In neueren Bibelübersetzungen, zum Beispiel in der Neuen Genfer liest es sich:
"Und lass uns nicht in Versuchung geraten" oder "Bewahre uns vor der Versuchung" oder in der sogenannten Einheitsübersetzung "Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden".
Auch in "Die Evangelien in aramäischer Sicht" von George M. Lamsa steht nach einer aramäischen Urfassung: "Führe uns, auf dass wir nicht in Versuchung fallen".
Papst Franziskus braucht die Bitte also gar nicht neu zu übersetzen,
er kann sich überdies auf das lateinische Paternoster des Kirchenvaters Ambrosius berufen.
Dort steht, ins Deutsche übersetzt: "Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geführt werden."«
( 2 )

Doch Professor Söding ignoriert diese Tatsachen. Herr Nolte denkt auch nicht daran, danach zu fragen. Auf nachdenkende Leser der Kirchenzeitung wirkt das wie ein übler Bubenstreich, wenn nicht doch mehr dahinter steckte. Ein Übel.

»MK: Was ist wichtiger: die wörtliche Übersetzung,
auch wenn sie keiner richtig versteht - oder eine freiere Übersetzung,
damit man Jesus versteht und mit Sinn und Verstand betet?«
( 1 )

Die Fragestellung ist inhaltsvoll für die zu erwartende Antwort formuliert.
Die wörtliche Übersetzung aus dem Aramäischen in das Griechische wird nicht nachgefragt. Mit dem Fehlen dieser Frage gibt der Fragesteller seine eingeschränkte Sichtweise zu erkennen.
Der Frager gibt sogar indirekt zu, dass diese Bitte mit der Verführung »keiner richtig versteht«. Ohne das Verstehen für den Sinn der Worte Jesus sollen sie von den Gläubigen gebetet werden? Ganz auf Abwege gerät Herr Nolte mit dem Ansinnen nach einer »freieren Übersetzung«. Damit stößt er die Türe zu den Abwegen der Korrektur an den Worten Jesu auf. Welchen Sinn verfolgt dieses Gespräch, wenn nicht den der Verwirrung? Aus dem Grund hat es keinen Platz in der Kirchenzeitung! Diese Tatsache ist wirklich eine, die »keiner richtig versteht«.

»Söding: Wer anders beten will, als Jesus seine Jünger zu beten gelehrt hat, soll es gerne tun.
Wer mit den Worten Jesu beten will, hält sich am besten ans Neue Testament.«
( 1 )

Da ist sie, die Dogmatisierung – das ist keine die Richtigkeit suchende Exegese. Auch kein Verstehen der Bedeutung in den Worten der Deutschen Sprache. Dagegen rücken diese nichtssagenden Worte nahe an die Drohung mit der Verdammnis heran.

»Söding: Wenn nicht auch die dunklen Seiten in das Gottesbild integriert werden, dann wandern sie in den Aberglauben aus.« ( 2 )

Da wird es wirklich dunkel, wenn Herr Söding von der Dunklen Seite in Gott zu sprechen beginnt. Er hat zwar das Wort "Gottesbild" gebraucht, aber er zielt doch auf das Wesen von Gott. Und da ist einfach kein Dunkler Fleck.
Das Böse entstand – wenn ich dem Katechismus der Kirche vertrauen darf – in der Entscheidung eines Engels in der Nähe von Gott, der wollte selbst sein wie Gott. Daraus entstand das "Böse". Dieses Böse ist aber nicht i m Wesen von Gott.
Eine Erklärung für diese »dunkle Seite« im Gottesbild von Herrn Söding wäre eine Eintrübung an der Hornhaut im Auge.

»Der Dominikanermönch Thomas von Aquin (1225-1274) beschreibt im Anschluss an die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles Gott als das "unum, verum, bonum, pulchrum", als das schlechthin Eine, Wahre, Gute und Schöne.
Alles innerweltlich existierende Wahre, Gute und Schöne kann nur bestehen, insofern es von einem ersten und eigentlichen, alles gründenden Ne-utrum (wörtlich: nichts von beiden), von "dem" Wahren, "dem" Guten und "dem" Schönen verursacht ist.«
( 5 )

Ein Interview in dieser Art geht auch entschieden an der Aufforderung von Papst Pius XII an die Exegeten vorbei.

»Dem katholischen Exegeten, der sich zu dem Werk rüstet, die Heilige Schritt zu verstehen und zu erklären, haben schon die Kirchenväter, und in erster Linie der hl. Augustinus, das Studium der alten Sprachen und die Heranziehung der Urtexte empfohlen ...
Welche Bedeutung der Textkritik beizumessen ist, gibt der hl. Augustinus zu bedenken, wenn er unter den Regeln, die er für das Studium der Bücher aufstellt, an erster Stelle die Sorge für einen kritisch richtigen Text erwähnt.
"Die Handschriften zu verbessern" - so schreibt dieser erleuchtete Lehrer der Kirche -, "darauf müssen vor allem jene sorgsam bedacht sein, die die Heilige Schrift kennen zu lernen wünschen; die fehlerhaften Handschriften müssen den verbesserten welchen."
Heute wird diese Kunst, die man Textkritik zu nennen pflegt, und die man in der Herausgabe von Profanschriften rühmlich und mit Erfolg anwendet, mit vollem Recht auch auf die heiligen Bücher angewandt, gerade um der Ehrfurcht willen, die dem Worte Gottes gebührt.
Denn ihre Aufgabe besteht darin, den heiligen Text mit aller nur möglichen Genauigkeit in seinem ursprünglichen Wortlaut wiederherzustellen und ihn von den Entstellungen zu reinigen, die durch die Unzuverlässigkeit der Abschreiber eingedrungen sind.
Außerdem soll die Textkritik die Zusätze und Lücken beseitigen, die Umstellungen von Wörtern, die Wiederholungen und andere derartige Fehler, die sich in Schriftwerke, die durch viele Jahrhunderte handschriftlich überliefert wurden, einzuschleichen pflegen ...
Ausgestattet mit der Kenntnis der alten Sprachen und den Hilfsmitteln der Textkritik, soll der katholische Exeget an die Aufgabe herangehen, die von allen die höchste ist: nämlich den wahren Sinn der heiligen Bücher aufzufinden und zu erklären.«
( 4 )

Was bietet die Münchener Kirchenzeitung noch an hilfesuchenden Erklärungen an?

»Milliarden von Menschen kennen das Gebet, das nach einhelliger Meinung der Theologen höchstwahrscheinlich von Jesus selbst stammt.« ( 3 )

Einmal ist es die Gewissheit, die "Worte Jesu dürfen nicht korrigiert werden", ein anderes Mal erreicht die "einhellige Meinung der Theologen" eine "höchste Wahrscheinlichkeit". Dieser Wechsel in der einhelligen Meinung von Theologen erweckt kein Vertrauen. Außerdem sind seit dem Interview von Papst Franziskus nur zwei Theologen mit einer entgegengesetzten Meinung zu hören.

»Die letzte Bitte im Vaterunser lautet in deutschen Übersetzungen seit gut 500 Jahren:
"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen".
Anders als die Bitte um das tägliche Brot war dieser Satz schon früher Gegenstand von Diskussionen.
Kann es überhaupt sein, dass Gott als liebender Vater seine Kinder in Versuchung führt?«
( 3 )

Nein, denn diese unzutreffend übertragenen Worte sind von Menschen aus einer Sprache in der anderen nicht richtig verstanden worden. Darum müssen weder Sprach-Wissenschaftler noch Theologen über die Verführungs-Künste von Gott aufklären wollen.
Die Übersetzung in die Deutsche Sprache macht mit den Worten in dieser Bitte Gott zum Verführer. Sie verstehen nicht die Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache. Diese Worte von Herrn Söding treiben in die Verwirrung und sind keine aufrichtige Exegese.

»Schon in den ersten Jahrhunderten empfanden Christen das als anstößig.
Deshalb hat vermutlich der Autor des Matthäus-Evangeliums den abmildernden Zusatz "sondern erlöse uns von dem Bösen" angefügt, der im Lukas-Evangelium fehlt.«
( 3 )

Diese Aufklärung soll befriedigen? Wozu einen abmildernden Zusatz?
Matthäus soll es nun doch nicht geschrieben haben, sondern ein ungenannter Autor?
Sind das die Worte Jesu oder die Worte von Menschen?
Helfen sie dem Betenden, seinen Gott zu verstehen - oder zumindest diese Bitte im Gebet?
Worin liegt in der vorausgehenden Bitte eine Härte? Wer hat diese Härte in sie hinein gelegt?
Wird in der Bitte um die Erlösung von dem Bösen Gott selbst zum Bösen?
Hier gibt es in den Worten zwischen Gott und dem Bösen keine Verbindung.
Aber was versuchen die Theologen den Gläubigen zu erklären?
Früher beteten sie um die Erlösung vom "Übel"; später baten sie um die Erlösung vom "Bösen". War ihnen der Unterschied zwischen "dem Übel" und "dem Bösen" bewusst?

»Im 20. Jahrhundert schlugen bekannte Theologen wie Joachim Gnilka eine verträglichere Übersetzung vor.« »Sie lautet: "Und lass uns nicht in Versuchung geraten".

Ähnliche Anregungen kamen beispielsweise auch von dem jüdischen Religionsphilosophen Pinchas Lapide. Er argumentierte mit dem Verweis auf die mutmaßliche Formulierung im Aramäischen, also der Sprache, in der Jesus das Gebet gesprochen haben dürfte.«
( 3 )

Söding spottet mit seinen Worten über diejenigen, die die Deutsche Sprache in der Bedeutung ihrer Worte richtig verstehen. Sie verstehen seit langer Zeit die Worte der jetzigen Bitte in ihrem verfälschten Sinn ohne Zweifel in der richtigen Bedeutung der Worte.
Aus den jetzt übersetzten Worten ist nicht der Sinn in den Worten Jesu zu erkennen.
Dazu verlangt den Betenden nach keiner theologischen Begleitung.
Schon gar nicht, wenn aus einer Gewissheit über die Worte Jesu eine "mutmaßliche Formulierung im Aramäischen" wird. Oder das Aramäische, als Sprache Jesu, "in der Jesus gesprochen haben dürfte".
Das sind zu viele "Mutmaßlichkeiten"!

»Zur alten Übersetzung erklärte der Papst, es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle.« ( 3 )

Was Herr Söding sagt, sind Worte der Verwirrung!
Da ist keine Aufrichtigkeit in der suchende Exegese nach der Richtigkeit im Sinn der Worte! Herr Söding spricht von einer "alten Übersetzung", die der Papst angeblich nicht verstehe. »Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung führe, um zu sehen wie er falle.«
Die Worte der Sprache führen den Menschen zu einem falschen Verstehen.
Herr Söding entwirft mit diesen Worten – die erklären sollen – nur ein verbösertes Gottesbild.

»Andere Theologen halten Änderungen an der Übersetzung für riskant. Zum einen sehen sie die weltweite Einheitlichkeit der Gebete in katholischen Gottesdiensten gefährdet.« ( 3 )

Diese Einheit gibt es schon jetzt nicht, weil in verschiedenen Sprachen diese Bitte keine Verführung durch Gott anspricht. Herr Söding redet die falschen Worte.

»Denn die wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass sich in allen Ländern die Übersetzungen möglichst wortgetreu an der lateinischen Fassung auszurichten haben.
Und die lautet nun mal in Übereinstimmung mit dem griechischen Urtext der Evangelien „et ne nos inducas in tentationem“ (und führe uns nicht in Versuchung).«
( 3 )

Wieder wird nur die nicht hilfreiche Linguistische-Progammierung angeboten:
Einem ernst zu nehmenden Sprach-Wissenschaftler stehen diese Worte nicht gut "und die lautet nun mal".
Mit dem Hammer auf die Köpfe zu schlagen, weckt den Verstand nicht.
Wohl aber die Aufmerksamkeit für den angeblich "griechischen Urtext der Evangelien". Der sogenannte Urtext wurde erstmals nicht in Alt-Griechisch niedergeschrieben.

Dazu sieht Herr Söding die "weltweite Einheitlichkeit der Gebete in katholischen Gottesdiensten gefährdet".
Die ist nicht gefährdet, weil es die jetzt schon nicht gibt. Im Spanischen, im Englischen und jetzt im Französischen wird diese Bitte an Gott nicht an ihn als den Verführer gerichtet. Zudem ist die Deutsche Sprache keine Weltsprache.

Herr Söding stellt sich zu dieser Tatsache blind.
Ebenso zu der Wahrheit, viele Gläubige beten diese Bitte nicht in diesem verwirrenden Sinn – Gott als Verführer anzusprechen – sondern bitten ihn:
"Führe uns durch die Versuchung" oder "Führe uns aus der Versuchung".

Vermutlich weiß Herr Söding nichts von den Nöten dieser Gläubigen.
Sie haben die Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache erkannt, die in dieser so formulierten Bitte aus Gott den Verführer erstehen lassen.
Im Lateinischen wird dieser Fehler weitergetragen, weil er nicht zutreffend aus dem Aramäischen in das Griechische übertragen worden ist.

Die Fragen von Herrn Nolte und die Antworten von Professor Söding verstehen sich als Opposition zum Papst – und nicht im Bemühen um das Richtige Verstehen der Deutschen Sprache. Dabei werden auch die Spuren der Exegese unbedacht verlassen.
Die hat zwei Schwerpunkte:
1. die Worte in Aramäisch und
2. die Bedeutung der Worte in der Deutschen Sprache.

Beides wird von Herrn Söding nicht beachtet.
Für eine schlechte Übersetzung auch noch schlechte Worte für ihre Rechtfertigung?
Hatte Papst Benedikt XVI die rechte Einsicht als er feststellte:
»Die Kirche in Deutschland ist reich. Aber ist sie auch reich im Glauben?«


Epiphanie 2018 © Heinz Kobald


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( 1 ) Münchner Kirchenzeitung, Nr. 51, 17. Dezember 2017, Seite 21, Katholisches Leben
Schlechte Übersetzung ? Diskussion um das Gebet der Gebete:
Papst Franziskus bemängelt, "und führe uns nicht in Versuchung" sei eine schlechte Übersetzung.
Die französischen Bischöfe haben die Bitte bereits geändert.
Darf man am "Gebet des Herrn" einfach herumlaborieren?

Thomas Söding, Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum
und Diözesanleiter des Katholischen Bibelwerks im Bistum Münster, rät zur Vorsicht.

Interview: Markus Nolte ist stellvertr. Chefredakteur bei "Kirche+Leben" in Münster

( 2 ) SZ Leserbriefe zu den Artikeln "Versuch über die Versuchung" vom 9./ 10. Dezember:
Aramäer und Ambrosius von Wolfgang Nies, Bissen/Luxemburg

( 3 ) Münchner Kirchenzeitung, Nr. 51, 17. Dezember 2017, Seite 21, Katholisches Leben
Debatte um das älteste christliche Gebet, luri

( 4 ) Papst Pius XII – Über die Heilige Schrift
Quelle: Rundschreiben "Divino afflante spiritu", 30. September 1943

( 5 ) Gott neu denken - Von der Beantwortung der Frage nach Gott
im Wandel von Zeit und Erkenntnis hängt die Zukunft des Christentums ab.
Von Norbert Scholl, Professor für katholische Theologie und Religionspädagogik